Wie bestellt – die Gewalt bei der Corona–Demo in Leipzig | Boris Reitschuster

Frontbericht aus Charlottengrad | Boris Reitschuster; Foto: Screenshot Youtube
Frontbericht aus Charlottengrad | Boris Reitschuster; Foto: Screenshot Youtube
Frontbericht aus Charlottengrad | Boris Reitschuster; Foto: Screenshot Youtube
Frontbericht aus Charlottengrad | Boris Reitschuster; Foto: Screenshot Youtube

Boris Reitschsuter schreibt: „Als Journalist erliegt man immer der Gefahr, berufsblind zu werden. Einen Tunnelblick zu bekommen. Ein ganz wesentlicher Faktor und damit auch eine Gefahr ist die eigene Erfahrung – besonders, wenn sie sehr spezifisch ist. Ich war 16 Jahre Korrespondent in Moskau. Dort sind die Methoden von KGB (und dessen Tochter Stasi) bis heute noch allgegenwärtig. Wenn auch in einem neuen, modernen, smarten Gewand. Und ganz ohne Sozialismus. Bei Demonstrationen gehört es fast schon zur Tradition, dass „Provokationen“ angezettelt werden. Radikale Teilnehmer sorgen dabei oft für Eskalationen, und auf die stürzen sich dann die Medien.

Auch in der Politik hat das Prinzip Methode. Die „Liberaldemokratische“ Partei LDPR des Politik-Clowns Wladimir Schirinowski spielte in Russland lange eine Rolle, die ein wenig an die der AfD in Deutschland erinnert. Als Schreckgespenst einte sie die anderen Kräfte und scharte die Wähler hinter den anderen Parteien. Anders als bei der AfD spricht bei der LDPR viel dafür, dass sie quasi aus der Retorte geschaffen wurde. Und ihr Anführer Schirinowski – um es juristisch unbedenklich auszudrücken – nicht immer eine Handlänge Abstand zum KGB hatte.

Warum ich das alles schreibe? Weil ich mich bei der Demonstration der Corona-Maßnahmen-Gegner von Querdenken gestern in Leipzig an meine Moskauer Erfahrung erinnert führte. Die Szenen der Gewalt, die ich dort erlebte, erinnerten mich massiv an meine Erlebnisse in Russland, aber auch in der Ukraine. Mit den Jahren entwickelt man ein Gespür dafür, wo die normale Demonstration endet und wo die Provokation anfängt. Dass diejenigen vermummten, gewaltbereiten Schlägertypen, die gestern in Leipzig für Gewaltszenen sorgten, und mir eine Flasche gegen den Kopf warfen, Provokateure waren – das scheint mir offensichtlich.

Weil sie äußerlich wie ein Ei dem anderen dem „Schwarzen Block“ glichen, der normalerweise mit der Antifa identifiziert wird, hielt ich sie zunächst für „Antifa-Leute. Inzwischen erscheint mir das nicht mehr die plausibelste Erklärung. Gewaltbereite ähneln sich. Es ist durchaus möglich, dass es sich um rechte Extremisten handelte. Sicher ist aber: Es waren Menschen, denen es ganz offensichtlich nur um Gewalt ging. Sie waren gut organisiert und zur rechten Zeit am passenden Platz. Nein, ich glaube nicht an eine Verschwörung. Aber daran, dass hier jemand massives Interesse an einer Eskalation hatte. Warum auch immer. Fakt ist: Für das Narrativ in den großen Medien kamen die Gewalttäter wie gerufen. Aber auch extremistischen rechten Gruppen kann an einer Eskalation gelegen haben. Motive und Möglichkeiten gibt es viele.

In den sozialen Medien wird berichtet, die Gewalttäter seien bereits vorher bei der Demonstration gesichtet worden, und sie seien „Rechte“. Beides mag zutreffen. Aber es widerspricht überhaupt nicht der These, dass hier jemand gezielt eine Eskalation wollte. So dumm es wäre, die Verhältnisse von Moskau auf Deutschland zu übertragen und in solchen Szenen eine Verschwörung von Staat, Geheimdiensten oder Medien zu sehen – so dumm wäre es andererseits, die Augen davor zu schließen, dass hier alles für eine gezielte Provokation spricht. Die einen friedlichen Protest diskreditierte. Für umso wichtiger halte ich es, diese zu dokumentieren. Deshalb habe ich – mit inzwischen viel stärker als gestern brummendem Schädel – aus meinem gestrigen sechsstündigen Livestream eine Reportage geschnitten. Hier finden Sie diese:

P.S.: Eine Leserin schrieb mir folgendes:

keine Ahnung ob Sie mir glauben werden, wie die hinter die Front kamen. Ich hatte mich ein wenig zurück gezogen vom Demolärm, in den kleinen Park hinter der Oper. Dort liefen ab und zu in 5-7 Mann Gruppen, schwarz vermummte rum. Polizei nahm keinen Anstoß, trotz vieler Menschen im Park. Und diese Vermummten haben den Leuten auch nichts getan, nichts gesagt oder ähnliches. Ich ging Richtung bzw. stand dann auf der Goethestraße und unterhielt mich. Da die Demo abgebrochen war, waren nur noch vereinzelte Demonstranten zusehen. (Die ganze Straße war voller Polizei und Autos) Die Vermummten kamen aus dem Park, liefen hoch Richtung Augustusplatz. Blieben nach 100m stehen, besprachen sich und dann rannten sie in einen lockeren Tempo los10-12 Mann, Richtung Bahnhof (nahmen aber keine Notiz von den vereinzelten Demonstranten) Ein Demonstrant machte die Polizei auf das Ereignis aufmerksam, die hat es aber nicht gejuckt, die blieben ganz ruhig stehen. Es war abgesprochen, sie wußten wer die Leute sind und das sie keine Gefahr für die Demonstranten waren. Die waren bestellt, für das Schauspiel was sie beobachtet hatten. Und ich habe mir den Kopf zerbrochen und konnte es nicht einorden. Denn im Bereich der Nikolai Kirche, ist die Polizei gegen eine Gruppe schwarzer vorgegangen und haben diese verhaftet. Dank ihres Beitrag, verstehe ich das jetzt alles. Und hoffe ihren Kopf geht es besser und ich werde mir wohl langsam aber sicher eine Kamera besorgen, als Beleg für solche Ereignisse.